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Warum ich an Afrikas Zukunft glaube

Wenn ich über Afrikas künftige Entwicklung nachdenke, wandern meine Gedanken immer wieder in meine eigene Vergangenheit zurück. Meine Eltern stammen aus einem kleinen Dorf im Senegal im Nordwesten Afrikas. Es war ein armer Fleck Erde, ohne fließendes Wasser und ohne Elektrizität. Meine Vorfahren waren Kuhhirten. Und trotzdem boten sich auch hier Chancen. Die Hauptstadt Senegals, Dakar, wo ich geboren wurde, hat erstklassige Schulen und Bibliotheken. Die Bildung, die mir dort zuteilwurde, öffnete mir den Zugang zu Universitäten in Frankreich und Großbritannien und die Türen für eine internationale Karriere, die mich schließlich zu DHL gebracht hat. So spiegelt meine eigene Erfahrung als gebürtiger Afrikaner die enormen Herausforderungen, vor denen dieser große Kontinent steht, genauso wider wie die immensen Chancen, die sich ihm eröffnen.

Afrika ist der zweitgrößte Kontinent der Welt – nur Asien ist größer – und die Heimat von mehr als einer Milliarde Menschen. Außerdem befinden sich auf diesem Kontinent etwa 10 Prozent der weltweiten Ölreserven sowie rund 90 Prozent der Weltvorräte an Kobalt und Platin, 50 Prozent der weltweiten Goldreserven, 98 Prozent der Weltvorräte an Chrom und ein Drittel der globalen Uranvorräte. Auf riesigen landwirtschaftlichen Nutzflächen wird alles von Mais und Weizen bis zu Spargel und Wein angebaut. Heute gibt es in Afrika 54 unabhängige Länder mit einer unglaublichen kulturellen Vielfalt. Dazu gehören mehr als 3.000 verschiedene Sprachen, von denen jede für eine einzigartige kulturelle Tradition steht. Mein Kontinent erhebt zudem Anspruch auf die ältesten christlichen Gemeinschaften und die ältesten islamischen Universitäten der Welt.

Doch leider gibt es in der afrikanischen Geschichte auch dunkle Kapitel wie Kolonialismus und Versklavung. Diese schmerzvollen Erfahrungen, die bis ins 20. Jahrhundert hinein reichten, waren für die Afrikaner in vielfacher Hinsicht zutiefst traumatisch – sowohl auf emotionaler Ebene als auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Während Staaten in Europa, Amerika und Asien nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Aufbau moderner globaler Volkswirtschaften beschäftigt waren, kämpften Afrikas klügste Köpfe dafür, ihr Schicksal endlich in die eigenen Hände zu nehmen.

Ein Neuanfang

Ich freue mich, dass der Kampf um die Unabhängigkeit inzwischen weit hinter uns liegt. Meine Kinder werden darüber nur noch in den Geschichtsbüchern lesen. Wir entlassen jedes Jahr 700.000 Universitätsabsolventen, die sich Gedanken über die Zukunft machen und sich dafür einsetzen, den afrikanischen Kontinent zu verändern und in die Weltwirtschaft zu integrieren.

Die afrikanischen Nationen fassen nun das nächste Ziel ins Auge und bündeln ihre Kräfte auf der Grundlage ihrer sprachlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gemeinsamkeiten. Seit 1975 kooperieren 15 Länder in der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (Economic Community of West African States, ECOWAS). ECOWAS treibt die wirtschaftliche Integration und Unabhängigkeit der Region voran. Im Süden wurde 1980 die Südafrikanische Entwicklungsgemeinschaft (Southern African Development Community, SADC) ins Leben gerufen, um die sozio-ökonomische Kooperation und Integration der 15 Mitgliedstaaten zu fördern. Der Gemeinsame Markt für das Östliche und Südliche Afrika (Common Market for Eastern and Southern Africa, COMESA) erstreckt sich von Libyen bis Zimbabwe. Der 1994 gegründete COMESA zielt auf die Bildung einer vollständig integrierten, international wettbewerbsfähigen regionalen Wirtschaftsgemeinschaft.

Derartige Kooperationen lassen für die Zukunft des Kontinents hoffen. Kein Zweifel: Die Fortschritte sind langsam. Wir sollten dabei aber nicht vergessen, dass es mehr als 50 Jahre gedauert hat, bis die Europäische Gemeinschaft ihren aktuellen Grad der sozialen und wirtschaftlichen Integration erreicht hat. Auch die erhofften wirtschaftlichen Vorteile des 1967 gegründeten ASEAN-Verbands bekommen dessen Mitgliedstaaten erst jetzt allmählich zu spüren. Ich bin zuversichtlich, dass wir eine immer engere Zusammenarbeit zwischen den afrikanischen Staaten sehen werden. Ich denke, in 50 Jahren wird es in Afrika vier oder fünf integrierte regionale Wirtschaftsblöcke geben, die einen reibungslosen Handel untereinander und mit dem Rest der Welt betreiben.

Kontinuierliche Investitionszuflüsse

Diese Beschleunigung der wirtschaftlichen Kooperation und Integration findet statt, während gleichzeitig mit dem wachsenden Wohlstand der Bevölkerungen Asiens und Lateinamerikas die Nachfrage nach Energie, Nahrungsmitteln, Wohnraum und Basiskonsumgütern wächst. Mit dem fortschreitenden Reifungsprozess der afrikanischen Wirtschaft werden Afrikas Staaten gut aufgestellt sein, um die weltweite Nachfrage nach diesen Gütern effizient und zu vernünftigen Konditionen zu bedienen. Der Handel zwischen Afrika und China stieg 2010 bereits auf über 100 Milliarden US-Dollar. Der Handel mit Indien betrug mehr als 50 Milliarden US-Dollar. Tatsächlich überstieg das Volumen des Warenverkehrs zwischen Afrika und Asien im Jahr 2010 das gesamte Handelsvolumen Afrikas mit allen anderen Ländern der Welt.

Die langfristige Sicherung dieses Wachstums setzt natürlich enorme Investitionen in Infrastruktur und Produktionskapazitäten voraus, vor allem wenn die afrikanischen Unternehmen verstärkt auf eine wertschöpfende Produktion an Stelle von Energie- und Rohstoffexporten setzen wollen. Auch hier bin ich optimistisch. Im Grunde ist die Weltwirtschaft ein sehr einfaches System: Das Geld fließt dorthin, wo das Ertragspotenzial am größten ist, und aus Sicht in- und ausländischer Investoren erscheint Afrika derzeit sehr attraktiv.

Leider ist diese Erfolgsstory außerhalb Afrikas kaum bekannt. Während sich dramatische Bilder von Hungersnöten und Bürgerkriegen regelmäßig auf den Titelseiten der weltweiten Zeitungen wiederfinden, schafft es eine Nachricht wie die, dass der nigerianische Milliardär Aliko Dangote eine Milliarde Dollar in ein afrikanisches Industrieprojekt investiert hat, fast nie in die Schlagzeilen. Ich vermute, mit Fortschrittsgeschichten lassen sich die Auflagen nicht steigern.

In Afrika gibt es viele Investoren wie Herrn Dangote, die ihr Geld in kritische Infrastruktur und Industrieprojekte klug investieren. Eine vor kurzem von einer angesehenen afrikanischen Nichtregierungsorganisation durchgeführte Studie zeigte, dass die afrikanischen Staaten im letzten vollständig erfassten Jahr zusammengenommen rund 50 Milliarden US-Dollar an Investitionsgeldern aus Übersee erhalten haben. Das waren aber nur etwa 30 Prozent der in diesem Jahr in Afrika insgesamt getätigten Investitionen. Die restlichen 70 Prozent stammten aus afrikanischen Quellen.

Die Rolle von DHL

Das sind ermutigende Entwicklungen, aber die afrikanische Wirtschaft braucht mehr als nur Geld. Wenn Rohstoffe gefördert und verarbeitet und Produkte hergestellt worden sind, müssen diese zu Kunden an anderen Orten des Kontinents und in andere Teile der Welt transportiert werden.

Wir bei DHL verstehen, wie wichtig unsere Dienstleistungen für die Wettbewerbsfähigkeit der afrikanischen Wirtschaft sind. Tatsächlich sind wir als einziges Logistikunternehmen in jedem Land auf diesem Kontinent vertreten – ein Meilenstein, den wir bereits vor 30 Jahren erreicht haben.

Für DHL ist Afrika einer der wachstumsstärksten Märkte. Im ersten Quartal 2011 erhöhten sich unsere Umsätze in Afrika im Vorjahresvergleich um mehr als 25 Prozent. DHL ist zudem besser aufgestellt als jeder andere, um Afrika mit der Welt zu vernetzen und sicherzustellen, dass Investoren, Importeure, Exporteure und Konsumenten eine bessere Wahl haben und treffen.

Für mich persönlich ist die Möglichkeit, einen Beitrag zu einer positiven Zukunft für meinen Heimatkontinent zu leisten, die größte Belohnung, die ich mir auf beruflicher Ebene vorstellen kann – eine Belohnung, die ich mir bei meiner Einschulung als Enkel eines Kuhhirten nie erträumt hätte.

10 Kommentare

  • David

    Mr Diallo, your optimism is wonderful, but also blind. What you are predicting for Africa would all be very realistic if it had actually won the struggle for it’s independence. The struggle for ECONOMIC independence is still very much ahead of us, contrary to your statement. The history books are blank on that topic. Almost all countries on the continent depend on foreign aid as a lifeline. Most of Africa is exploited like never before by the industrialised nations of the world.

    Since we’re on the topic of logistics, here is some food for thought: to this day, there isn’t a railway that stretches from the South-Western tip of the continent, to the North-Eastern one (Cape to Cairo). Such a railway would take the integration of the continent to a new level, wouldn’t you agree? About 100 years ago there were attempts to build this, but they failed.

    I’m also an optimist though.

    • Amadou Diallo

      Dear David,

      First of all thanks for your interest and interesting point of view.

      As one would say: What you see indeed depends on the perspective from which you are looking at it.

      Today 7 out of the 10 fastest growing economies in the world are African. A decade ago we (at least I) would not have seen it coming. Middle income earners are growing very fast and governance is becoming much better as an increasing number of our African leaders look to serve their people and countries and less themselves. I have witnessed it with Ethiopia, Mauritius, Ghana, and Tanzania…

      That during colonial times African resources have been used for other purposes than for the local economies goes without saying; but today’s generation is more centric around positively transforming our own economies.

      While I fully agree with your assessment on the logistics, I also believe that our continent will look like what we – Africans – (aspire to) make of it. This is regardless of any aspirations we may have of transforming it to a better space for African children and world citizens.

      David, look around and read about what is happening and you will see more interest, activities and investment than ever before happening in/on Africa. The continent has been growing faster than the world economy for quite some years now, which I would be more than happy to share with you.

      I’m happy to see we share the same blind optimistic aspiration and are working towards making African dreams come true with the firm commitment of its daughters and sons.

      As you see I wear glasses (hence a bit blind) but I am definitely optimistic about the things I see on the continent just like you!

      Jarama! (Thank you in Fulani)

      • David

        Thanks for your reply. Indeed, I do hope for the best too.

        Yes, the general trend is positive – I agree. It needs to be mentioned, however, that in the case of measuring the well-being of the African population, ‘economic growth’ is not an accurate indicator. It’s purpose is better suited to compare, for example, investments in Africa vs the world.

        We must not forget that investments are only made for the sake of the return they will bring. And yes, of course that will make the numbers display positive trends, but at the end of the day the investor needs the return of the initially invested capital – plus the profit.

        Unfortunately though, today’s ‘modern’ economic model has been accepted globally as the standard and any suggestion of an alternative one is frowned upon. In the short-term that leaves us with no choice other than to pursue economic growth and promote ourselves to the investors as the best place to invest in. In fact, this model actually creates an incentive for governments to maintain the conditions necessary to display themselves as the best for ‘investments’. Some of these conditions include: low wages, minimal government intervention, low taxes, which means less social expenditure, and privatization on a massive scale. History has shown us that these are deeply unpopular programs among the people. The consequences of their implementation are secret to no one.

        Is the conflict of interests not obvious here? Who is the real winner from investments into Africa, the people or the investor?

        Essentially, foreign investment into a country, as well as the economic growth that follows as a result, are probably closer to an indication of the exploit-ability of that country’s people or resources: that is the truth of the matter.

        I say: don’t worry about foreign investments, all the wealth we need is already here, beneath the ground.

        Let me know what you think.

  • hiit

    Do you have a Facebook fan page for your site?

  • William Katunda

    A local perspective
    From a purely local business development perspective, the trends under
    discussion in this blog confirm my expectations to see logistics activities on the African south sub-continent develop sea-freight re-forwarding capabilities from the Tanzanian’s port of Dar-es-Salaam and the South African port of Durban to a continental traffic with Congo (DRC). The tendency might end into the deployment of a sub-continental transport mega-platform in the coming 100 years. The African continent will on a way-up benefit from on-line shop-and-ship logistics technologies, express-cargo chartering with IT visibility in the coming 20 years if political correctedness improves. Its extrovert industry is likely to depend on the political balance among
    continents, thus determining the optimal export tool for a condense natural resources transaction. Floating megalopolis are likely to be developed to bypass physical and administrative constraints on a purely logistics perspective in 200 years.

    Consumer’s future behaviour
    British American Tobacco out-sources production of its tobacco leaf to DHL Global Forwarding in Congo (DRC) and in various countries worldwide. VODACOM out-sources its reversed logistics and ZTE its supply chain processes in the same location. Their African competitors will do same in less than 50 years. While local inland & ground distribution capabilities remain impacted by rainforest obstacles, volcanic activities and social unrest, supply chain disruption should be anticipated by merging recurrent natural disasters responses and contingency plans to maintain a more vital and continuous logistics service in these future geographically unstable environments.

    A hand in the basket
    Technology helps us transform the condition of our existence as well as the environment in which we live. What contribution will Africa bring to science and to the world is our key question. Let’s not hide it, modern consumers tend to request more real-time logistics operations and will demand more efficient standard in 50 years. The development of DHL RFID tag technology will enhance those standards on the continent in the 20 coming years. But say I am still around in 100 years; I will not be surprised to hear a client asking us, to apply a
    fractal decompression (molecular unlinking) to his shipment and send it in realtime from a shipper portal A to a destination portal B.
    Here is a matter of global research as cargo immaterial teleportation and instant delivery is not part of our core business and still a less exact science…

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